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Abschlussprüfungen im C-Aufbaukurs Dirigieren

Teilnehmer, Ausbilder und Prüfer des C-Aufbaukurses Dirigieren
Die Teilnehmer des diesjährigen Aufbaukurses gemeinsam mit Prüfer Frank Elbert (3. v. r) sowie Beisitzer Karsten Meier vom HMV (1. v. r.).

Nach etlichen Jahren Pause bot der Hessische Musikverband (HMV) in den vergangenen Monaten wieder einen Aufbaukurs für angehende Dirigentinnen und Dirigenten an. Er entsprach den Kriterien des C-Kurses, wie ihn die Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände (BDMV) definiert. Die hierfür nötige praktische Abschlussprüfung absolvierten die Teilnehmenden nun kürzlich mit unserem Sinfonischen Blasorchester

»Das Hauptanliegen eines Musikverbandes ist es, seine Mitgliedsvereine zu fördern. Ein wichtiger Baustein ist dabei die professionelle Aus- und Weiterbildung von Dirigenten. Diese sind immer mehr gefragt. Denn sie entwickeln die einzelnen Orchester vor Ort weiter.« So begrüßte Karsten Meier, Landesmusikdirektor des HMV, die Prüflinge und das Prüfungsorchester zur praktischen Dirigierprüfung Anfang September. Ganz besonders freute sich Meier darüber, dass der HMV in diesem Jahr überhaupt wieder einen Aufbaukurs im Dirigieren anbot.

Zum einen lag das an der entsprechenden Nachfrage. Insgesamt acht junge Dirigiernovizen folgten dem Aufruf des HMV. Zum anderen konnte auch ein kompetentes Dozententeam gewonnen werden: Unser Chefdirigent Oliver Nickel und der Leiter unseres JugendBlasOrchesters, Michael Meininger, gestalteten im Tandem die Kursinhalte.

Erfahrene Dirigenten und Pädagogen als Kursleiter

Nickel und Meininger weisen ein ähnliches Profil auf: Beide studierten Musik und Pädagogik und sind mittlerweile an hessischen Schulen tätig. Zudem bildeten sie sich privat umfassend weiter. Neben zahlreichen Meisterkursen bei renommierten Profidirigenten absolvierten sie äußerst erfolgreich ganze Studiengänge in Orchesterleitung. Dafür zog es Nickel und Meininger an die Konservatorien nach Maastricht und Den Haag. Diese umfangreiche Ausbildung in den Niederlanden, die in der Blasmusikszene weltweit als führend gelten, ergänzten sie durch Erfahrungen, die sie mit namhaften Orchestern im In- und Ausland sammelten. Gepaart mit ihrem pädagogischen Wissen waren sie somit ideale Ausbilder für das Angebot des HMV.

Oliver Nickel beim Dozieren
Regt zum Nachdenken an: Oliver Nickel im Gespräch mit einem Teilnehmer.

Der Kurs selbst gliederte sich in einen theoretischen und einen praktischen Teil. Im Theorieteil wurden den Kursteilnehmern die Grundlagen in der Schlagtechnik mit dem Taktstock und im Studium einer Partitur vermittelt. Auch komplexe Inhalte wie Harmonielehre, Gehörbildung oder ein detaillierter Überblick über den Orchesterapparat standen auf dem Programm. Der Komponist und Geschäftsführer des HMV, Nicolas Ruegenberg, gab zudem Einblicke in das Handwerk des Arrangierens. Sogar eine Hausarbeit zu einem musiktheoretischen Inhalt mussten die Teilnehmer verfassen und einreichen. Den Abschluss der vier Theoriephasen, die in der Landesmusikakademie Hessen in Schlitz stattfanden, bildete eine erste Prüfung.

Auch passiv lässt sich einiges lernen, etwa bei einem Blick in die Partitur.

Zum erfolgreichen Bestehen des Kurses fehlte nun noch der erfolgreiche Praxistest. In drei weiteren Phasen versuchten die Teilnehmer hier so gut wie möglich, ihr neu erworbenes Wissen am Dirigentenpult anzuwenden. Dabei standen ihnen mit uns und der Stadtkapelle Friedberg (musikalischer Leiter: Michael Meininger) zwei hervorragende Lehrgangsorchester zur Verfügung. Den Musikern verlangte es dabei einiges an Konzentration ab, die jeweils individuelle Körpersprache der Dirigenten korrekt zu interpretieren. Nur so aber erhalten die Dirigieranfänger direktes Feedback zu ihrer Arbeit.

»Erster Schritt auf einem langen Weg«

Zusätzlich gaben Meininger und Nickel immer wieder wichtige Impulse und klärten über begangene Fehler auf. Dabei betonten sie auch immer wieder, wie wichtig der Faktor Mensch ist. »Ein Dirigent ist nicht nur künstlerischer Leiter. Er muss das Orchester und jeden einzelnen Musiker darin motivieren und mitreißen. Egal, ob bei einem Konzert, oder in der Probe.« Außerdem stellten sie klar, dass Dirigieren mit einem lebenslangen Lernprozess verbunden sei: »Mit dem Abschluss dieses Kurses seid ihr noch lange nicht am Ziel, sondern habt lediglich den ersten Schritt auf einem langen Weg hinter euch gebracht.«

Die Juroren der praktischen Abschlussprüfung zum C-Aufbaukurs Dirigieren.
Achteten auch auf das kleinste Detail: Die Juroren Oliver Nickel, Michael Meininger und Frank Elbert.

Dafür benötigte es jedoch erst einmal das Bestehen der durchaus fordernden praktischen Prüfung. Zunächst galt es, ein anspruchsvolles Stück der Schwierigkeitsstufe 4 (Oberstufe) komplett am Stück zu dirigieren. Anschließend hatte jeder Teilnehmer 20 min Zeit, ein dem Prüfungsorchester unbekanntes Werk durch kluge Probenarbeit näher zu bringen. Bewertet wurden sie dabei von Nickel und Meininger sowie als drittem Juror Frank Elbert, stellvertretender Bundesmusikdirektor im BDMV.

Die Jury benotete dabei die Kommunikation, das Führungsverhalten, die Probeneffizienz sowie Schlagtechnik der Prüflinge. Außerdem floss die musikalische Vorstellung in den Gesamteindruck mit ein. Leider konnten zwei Teilnehmer diese hohen Kriterien nicht alle ausreichend erfüllen. Zeitgleich schlossen aber auch zwei Teilnehmerinnen mit dem Prädikat »mit sehr gutem Erfolg teilgenommen« ab, einmal wurde gar die Bestnote »mit hervorragendem Erfolg teilgenommen« vergeben. Insgesamt zeigten sich die Organisatoren des Kurses mehr als zufrieden. Die Hoffnung lautet nun, dass auch demnächst wieder genug Nachfrage für einen Lehrgang besteht. So soll langfristig die Aus- und Weiterbildung einer neuen Generation an Dirigenten gesichert werden.